Psychoaktiva sind überall!

Hier ein historisches Dokument: Die Mitschrift eines meiner Vorträge von 2004.

Psychoaktive Drogen sind überall!
Psychoactive drugs are everywhere!

(Vortrag zu Entheovision 2. Forschung und Erfahrung; Berlin 21. August 2004)

Markus Berger

Dies Referat soll anregen. Zum Nachdenken anregen. Zum Schmunzeln und zum Trauern. Trauern um den Kollektiv-Intellekt unserer Gesellschaft. Aufhänger ist ein Slogan der UN-Generalversammlung vom Juni 1998. Besagtes Ziel, angestrebte Zielsetzung der UN-Generalversammlung ist, unsere Welt bis zum Jahre 2008 drogenfrei zu machen. Wie auch immer dies gemeint ist.

Ich bedachte meinen Vortrag mit dem Titel „Psychoaktive Drogen sind überall!“. Mein persönliches Anliegen und das Bestreben meiner Arbeit ist die Aufklärung über psychoaktive Substanzen und Pflanzen. Da zu diesem Zwecke mein Geist von Morgens bis Abends ausschließlich diesem Gebiet und seiner Schnittmengen gewidmet ist, reagieren meine Sinnesorgane natürlicherweise sehr sensibel auf psychoaktive Pflanzen und Produkte sowie deren kulturelle Artefakte. Ich beschreibe nun einen ganz normalen Tag einer ganz normalen Person – vielleicht meiner eigenen oder einer mir bekannten oder den Tag eines x-beliebigen Menschen. Ich werde trotzdem in der ersten Person erzählen.
Noch kurz zuvor: Hier ist nur die Geschichte fiktiv. Alles andere hätte ganz genau so passieren können. Bitte achten Sie im Publikum genau auf alle psychoaktiven Substanzen, die innerhalb des Tagesablaufes vorkommen. Es ist dabei nicht wichtig, in welchen Mengen psychotrope Verbindungen in Gewächsen oder Produkten vorkommen. Erheblich ist nur, das in der Tat überall um uns herum alles voller Psychoaktiva ist. Sie werden staunen.

Am Morgen stehe ich auf. Meine Frau hat mir den Kaffee schon aufgesetzt. Sie selbst trinkt lieber eine Tasse Tee, unser Sohn mag gern Kakao zum Frühstück. Vor der Toilette rauche ich nicht nur des Reimes wegen eine Zigarette. Das mache ich schon immer so. Das ist schlecht, sagt der Arzt. Doch die Peristaltik wird wunderbar vom Tabak angeregt. Allerdings sehe ich es nicht besonders gerne, wenn mein Sohn vor der Schule Cola trinkt.

Schon am Morgen lauter psychoaktive Produkte.

Heute fahre ich zu meiner Mutter. Ich habe versprochen, ihr im Garten etwas zur Hand zu gehen. Also setze ich mich in mein Auto und fahre los. Ich muss durch einige Dörfer und eine kleine Stadt. Mal sehen, was ich alles entdecke.

Interessant: In den Dörfern sehe ich in den Gärten und auf den Höfen wunderschöne Blumen. Den Goldregen (Laburnum), Petunien, Agaven, kletternde Clematis-Arten, Rhododendren, Engelstrompeten (Brugmansia), Rittersporn (Delphinium), Hortensien (Hydrangea), Stiefmütterchen (Viola), Immergrün (Vinca), Wein (Vitis), Efeu (Hedera helix), Klatschmohn (Papaver rhoeas), Schlafmohn (Papaver somniferum) und Türkischen Mohn (Papaver orientale), Goldmohn (Eschscholtzia), die Zaunwinde (Calystegia), Kalmus (Acorus), Eisenhut (Aconitum), Salbei (Salvia), Feigenkakteen (Opuntia), Schneebälle (Viburnum) und sogar Stechäpfel (Datura).

Alles psychoaktive Pflanzen.

In der Stadt strahlen wunderschöne Rabatten auf den Verkehrsinseln. Verziert mit Tagetes, Ziertabak (Nicotiana x) und Ranunkeln.

Alles psychoaktive Pflanzen.

Am Wegesrand winken mir Lupinen (Lupinus), Löwenzahn (Taraxacum), Ackerwinde (Convolvulus), Taumellolch (Lolium), Lattich (Lactuca), Schilf (Phalaris und Phragmites), Schöllkraut (Chelidonium), Hopfen (Humulus), Baldrian (Valeriana) und Schafgarbe (Achillea) zu. Die Ebereschen (Sorbus aucuparia) erkennt man sogar im Vorbeifahren an den Blättern und knallorangen Früchten.

Alles psychoaktive Pflanzen.

Auf den Feldern sehe ich Salat (Lactuca), Kartoffeln (Solanum tuberosum), Mais (Zea mays) und Weizen (Triticum).

Alles psychoaktive Pflanzen. Denn der Salat enthält sedative Wirkstoffe (Lactucin und andere), der Weizen, der Mais und die Kartoffeln produzieren, wenn auch nur in Spuren, Benzodiazepine, z.B. Diazepam (Valium®).

Unterwegs drückt die Blase. Ich fahre gerade durch ein Waldstück. Ah, da kann man parken. Im Wald ist es immer so schön. Direkt nebenan steht ein prächtiger Fingerhut (Digitalis), am Rand des Waldwegs entdecke ich schon von Weitem die ausladenden Äste und Blätter der Tollkirsche (Atropa). Im Herbst steht dahinten im Birkenhain immer eine riesige Anzahl Fliegenpilze (Amanita muscaria). Oh, was leuchtet da im Graben? Waldmeister (Galium odoratum)! Lecker! Und in fast unmittelbarer Nachbarschaft das Johanniskraut (Hypericum).

Alles psychoaktive Pflanzen.

Genug im Wald gewesen. Nun muss es weitergehen. Bei Mutter angekommen, soll ich zunächst ein Paar Schuhe flicken. Dazu nehme ich Klebstoff. Reichlich Klebstoff. Die Dämpfe machen mich schon ein wenig duselig. Im Schrank steht noch das Vereisungsspray meiner Schwester. Die treibt viel Sport. Dann steht da noch Feuerzeugtreibgas, Butan. Und Haarspray. Und Nagellackentferner, ein chemisches Fleckenmittel, Teppichreinigungsschaum und Toilettensteine.

Alles psychoaktive Substanzen.

In der Küche hat Mutter reines Lachgas als Treibmittel für den Sahnespender. 80 Gramm die Kartusche. Vater hat in der Garage noch Tankbenzin, Kühlerdichtungsmittel, Pinselreiniger, Lösungsmittel und Lackspray.

Alles psychoaktive Substanzen.

Im Apothekenschrank liegen Valium (Diazepam), Aspirin Complex® (mit Pseudoephedrin), Baldrian- (Valeriana) und Hopfentabletten (Humulus).

Alles psychoaktive Substanzen.

In der Küche meiner Mutter stehen allerhand Gewürze und Kräuter: Salbei (Salvia), Ingwer (Zingiber), Chili (Capsicum), Liebstöckel (Levisticum), Petersilie (Petroselinum), Basilikum (Ocimum), Estragon (Artemisia dracunculus), Muskatnuss (Myristica), Dill (Anethum graveolens), Pfeffer (Piper), Schlafmohnsamen zum Backen, Koriander (Coriandrum) und viele andere.

Alles psychoaktive Pflanzen.

Im Wohnzimmer betrachte ich verschiedene Topfpflanzen: Aloe, Croton (Codiaeum), Buntnesseln (Coleus), Passionsblume (Passiflora) und Kakteen, wie Opuntia, Astrophytum und Echinopsis.

Alles psychoaktive Pflanzen.

Die Katze bekommt Katzenminze (Nepeta), berauscht sich am Kraut. Wir essen zu Mittag. Zum Nachtisch gibt’s Physalis-Früchte. Ein geistbewegendes Nachtschattengewächs. Wären die Lampingnons nicht mit chemischen Spritzmitteln behandelt, könnte man sie rauchen.
Ein Blick aus dem Fenster: Den Kuhmist auf Nachbars Weide könnte ich schnüffeln, um high zu werden.

Alles psychoaktive Dinge.

Am Abend, zu Hause angekommen, trinke ich ein gemütliches Bier – meine Frau ein Glas Wein. Der Tag ist gelaufen.

Selbst zum Ausklang: psychoaktive Drogen.

Das war also ein ganz normaler Tag mit wahrhaft interessanten Beobachtungen. Ich hätte durchaus Hunderte weiterer psychoaktiver Pflanzen und Produkte aufzählen können. Doch hätte das hier keinen Sinn. Es reicht zu sehen, dass das Ziel der UN von absoluter Utopie und unfassbarer Ignoranz gekennzeichnet ist.

Wenn man weiterhin bedenkt, dass sowohl Tiere als auch Menschen über einen unglaublich vielfältigen endogenen, also körpereigenen Haushalt psychotroper Drogen verfügen, dass letztlich alle Gefühle und Stimmungen, selbst das Träumen, von körpereigenen Rauschdrogen induziert werden, dann muss tatsächlich die Erkenntnis resultieren: Diese Welt könnte nur drogenfrei gemacht werden, wenn man sie vollständig vernichtete.

Dazu ein wunderbares Zitat von Jonathan Ott (aus Pharmacotheon):

„Sehen wir es so, wir sind alle auf Drogen, die ganze Zeit über … Ich spreche nicht über käufliche Quantitäten, wie Alkohol, Koffein, Nikotin, Marijuana, Cocain, Heroin usw., die vom Menschen normalerweise eingenommen werden, sondern über das DMT und Morphin, das unser Körper produziert und welches wir die ganze Zeit über ‚konsumieren’; oder unsere ureigene Schlaftablette, der endogene Ligand1 des Valiumrezeptors (der vielleicht Valium selbst ist) (…); oder unsere Endorphine und Enkephaline (unsere selbstproduzierten „ENDOgenen MoRPHINE“ …), die unsere Schmerzen stillen; oder die „Substanz P“, unser körpereigenes Schmerzreiz übermittelndes Molekül (…); oder Anandamid, der endogene Ligand des THC- (Marijuana-) Rezeptors …
Das Wirken und Leben des Geistes, des Bewußtseins, ist eine andauernde, sich ständig ändernde pharmakologische Symphonie oder, um es weniger romantisch auszudrücken, eine niemals endende Drogenorgie. Das Verlangen Opiate, DMT oder Valium zu konsumieren, ist rundherum natürlich und so „organisch“ wie möglich – wir ergänzen oder vervollständigen nur die Drogen, welche unser Gehirn antreiben, und diese Drogen arbeiten präzise, denn sie sind mit den endogenen Drogen identisch oder von chemischer Ähnlichkeit …“

Wer sich weitergehend für dies Thema interessiert, der kann sich ein Exemplar des Sonderdrucks meines Artikels „Küchen- und Haushaltspsychonautika“ und eine Kopie dieses Referats mitnehmen, das Ganze zu Hause noch einmal in Ruhe studieren.

Aus diesem Artikel zitiere ich zum Abschluss einen Absatz. Dann können wir in die Diskussion gehen.

„Kinder werden schon früh, im Grunde von Anfang an, auf Psychoaktiva getrimmt, und das, obwohl es immer heißt, man solle die Sprösslinge fern vom ‚Rauschgift’ halten. Von wegen. So fiel mir auf, dass es nicht nur Schokoladen- und Kaugummizigaretten gibt, sondern auch Kinderbowle, Kinderbier (Malzbier), Kindercola und Kinderkaffee (Malzkaffee), ganz zu schweigen von den schon in jungen Jahren (rein geschmacklich) antörnenden Eis-, Weingummi- und Getränkeprodukten mit Cola-Geschmack und neuerdings auch öfter mal mit Guaraná-Zusatz (z.B. bei Trolli®-Gummis und Limonaden).“

Das geht an die Menschheit:
Euer Slogan: Ein Leben ohne Drogen?
Glückwunsch, Menschheit!

Hier geht’s zu einem Mitschnitt des Vortrags: http://vimeo.com/9923459

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